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Kirchengeschichte

Eine dem Heiligen Erasmus geweihte Kirche ist erstmals 1332 erwähnt. Sie hatte ihren Platz dort, wo heute das evangelische Gotteshaus steht. Das Patronatsrecht stand den Pfalzgrafen zu. In besagtem Jahr 1332 verzichtete der Rheinböllener Kaplan Wernher Fust (der damit erster namentlich erwähnter Rheinböllener überhaupt ist) freiwillig auf Weiterbeschäftigung in der Pfarrstelle. Wegen einer Neubesetzung schickte Pfalzgraf Ruprecht I. seinen Notar am 6. Oktober 1332 zum Dompropst nach Mainz.

 

Rheinböllen war Tochterkirche von „St. Peter“ in Bacharach, das wiederum Mainz unterstellt war. Der ausgedehnte Bacharacher Sprengel umfasste nicht nur die vier Täler im Umkreis der Stadt am Rhein, sondern endete erst am Fuße des Soonwaldes. Ellern, Erbach, Dichtelbach, Kleinweidelbach und das untergegangene Folkenbach gehörten zu Rheinböllen, das von einem Vikar oder Kaplan versorgt wurde. Dieser kam an zwei Tagen unter der Woche zum Beispiel nach Ellern, um Messen zu lesen. An Sonn- und Feiertagen pilgerten die Gläubigen nach Rheinböllen, in der dortigen Kirche empfingen sie auch die Sakramente.

 

Nachfolger Fusts könnte Johannes Sartor gewesen sein: Der steht 1347 in den Annalen als Seelsorger verzeichnet. Am Dreikönigstag trafen sich in der Kapelle zu Steeg Sendschöffen der Pfarrei und mehrere geladene Zeugen zur Unterzeichnung einer Urkunde, die eine andere Verteilungspraxis der Kircheneinkünfte zum Gegenstand hatte. Bis dato nahm der Bacharacher Pastor die Hälfte für sich in Anspruch, der zweite Teil verblieb dem Vikar in Rheinböllen. Dass diese Praxis schon geraume Zeit Usus und Rheinböllen demnach seit längerem nach Bacharach eingepfarrt war, geht aus der Urkunde deutlich hervor: Die Einkünfte und Rechte beanspruchen seit altersher der Bacharacher Pastor als auch sein Rheinböllener Vikar.

 

1355 verschenkte Pfalzgraf Ruprecht die Rheinböllener Pfarrei an das Frauenkloster Klarenthal bei Wiesbaden, wo seine Mutter Mechthild begraben liegt und seine Nichte Agnes als Äbtissin wirkte. Allerdings fiel dem Konvent das weit entfernte Rheinböllen spätestens 100 Jahre später lästig und somit veräußerte die Glaubensgemeinschaft  das Dorf deshalb 1455 an den Pfalzgrafen Friedrich gegen eine jährliche Entschädigung von 20 Gulden. Diesen Obolus kassierte Klarenthal noch weitere einhundert Jahre bis 1554, ehe Rheinböllen in der Reformationszeit den Glauben wechselte und die Einkünfte fortan dem Herzog von Simmern zustanden.

 

Katholiken und Lutheraner nutzen nun das alte Gotteshaus gemeinsam, obwohl es erst 1688 offiziell „Simultankirche“ wurde. Bei der „Cauber Kirchentheilung“ 1706 erhielten die Protestanten die alte Kirche allein zugesprochen. Zur Pfarrei gehörten wie heute Dichtelbach, Erbach und Kleinweidelbach.

 

Die katholischen Christen (ab 1709 offensichtlich mit Schnorbach kirchlich verbunden) bauten 1710 eine eigene kleine Kapelle, die jedoch den Witterungseinflüssen wenig Widerstand bot. Sie wurde 1775 durch einen Neubau ersetzt und dem alten Kirchenpatron Erasmus geweiht. Von nun an scheint den örtlichen Katholiken ein eigener Seelsorger zur Verfügung gestanden zu haben: Rheinböllen wird ab 1780 im Verzeichnis des Bistums Trier geführt. Das heutige katholische Gotteshaus entstand von 1870 bis 1872 an gleicher Stelle wie der Vorgängerbau.