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Die Puricelli´s in Rheinböllen/Rheinböllerhütte

Carl Wilhelm Anton, Sohn des ersten Meisenheimer Puricelli's, heiratete 1791 in die Eisenwerke des Friedrich Wilhelm Utsch ein. Utsch gilt als der mögliche Held, dem das berühmte Lied „Ein Jäger aus Kurpfalz“ gewidmet ist.


Nach dem Tod von Fr. W. Utsch hinterließ er die „Utsche Hütt“ in der Hauptsache seiner Tochter Margarete, nun verheiratete Utsch-Puricelli, sowie dem unvermählten Sohn Carl Theodor Utsch.


Da Carl-Wilhelm Puricelli schon mit 39 Jahren starb (Grab an der ev. Kirche, Rheinböllen), mussten seine Frau und ihr Bruder den Betrieb weiterführen.


1836 firmierte die Rheinböller–Hütte erstmals unter „Gebrüder Puricelli“ unter Leitung der nächsten Generation in Form der Söhne Friedrich, Carl II. und Heinrich I.


Nach dem Tode des Erbonkels Utsch 1860 (Grabmahl auf dem Friedhof Rheinböllen, alter Teil) und Auszahlung der Utsch’en Miterben, ging die Rheinböller-Hütte in den Alleinbesitz der Puricellis über.


Die Hütte nahm in den nachfolgenden Jahrzehnten einen enormen Aufschwung. Durch das Engagement der Puricellis für die neu aufkommende Gasindustrie, die für die nächsten Jahrzehnte die Beleuchtung von Innenstädten und privaten wie öffentlichen Bauten übernahm, erreichte die Firma eine monopolartige Stellung im Versorgungswesen und konnte damit den Absatz ihrer Erzeugnisse (Röhren, Kandelaber etc.) des hiesigen Werkes sichern.


Die Tätigkeit der Gebrüder Puricelli wurde offiziell anerkannt durch die Verleihung des Titels eines Kommerzienrates (1868) an Heinrich Puricelli.


Parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung der Rheinböller-Hütte entwickelten die Puricellis ab ca. 1850 ein vielschichtiges Stiftungswesen. Besonders sind hervorzuheben die Frau von Heinrich I. Puricelli, Eugenie Puricelli und ihre Tochter Franziska, welche mit ihrem Vetter Carl II. Puricelli verheiratet war. Hier besonders zu erwähnen:

 

zwei Krankenhäuser (Franziskastift in Bad Kreuznach und Rheinböllen als Teil der Waisenhausstiftung) vier Kapellen (zwei in Rheinböllen - siehe unten -, eine in Erbach und eine in Daxweiler) Förderung der kath. Pfarrkirchen in Rheinböllen und Dichtelbach Beteiligung an der Erbauung bzw. Renovierung von zehn kath. Kirchen und Pfarrhäusern.

 

Sie unterstützten auch die arme Bevölkerung in ihrem Umfeld entweder direkt oder durch die ortsansässigen Geistlichen.


Auch die nachfolgende Generationen mit Baronin Clara Kirsch Puricelli und Baron Paul Kirsch-Puricelli entschieden sich 1950 durch ein mehrjähriges privates Sozialengagement mit einer Haushaltschule auf der Stromberger-Neuhütte (dem Wohnsitz der Kirsch-Puricellis) in Erscheinung zu treten.


Mit dem Tod von Baronin Clara Kirsch-Puricelli 1993, die keine Kinder hatte, ist der Name Puricelli nach ca. 330 Jahren in Deutschland ausgestorben.

 

Die Gruftkapelle auf der Rheinböllerhütte

Im Jahre 1911 wurde der seit 1857 begonnene Bau der Puricellischen Gruftkapelle „Zum heiligen Michael“ auf der Rheinböllerhütte vollendet. Die Kapelle wurde im neuromanischen Stil erbaut und befindet sich seither im Privatbesitz der Familie.


Die „Marien- Kapelle“

...in der Rheinböller Poststraße ist eine kleine neugotische Backsteinkapelle und diente Franziska Puricelli als Prozessions-Station. Errichtet wurde sie im Jahre 1891 von der Industrieellen-Familie-Puricelli.

 

 

WAISENHAUS = STIFTUNG PURICELLI mit Kath. Kapelle zur unbefleckten Empfängnis Mariä

Die Anlage entstand nach Auskünften der früher dort tätigen Dernbacher Schwestern (Arme Dienstmägde Christi) in mehreren Phasen. Kurz vor 1862 stiftete Jenny Puricelli ein Kinder- und Waisenheim. 1862 bis 64 entstand der eigentliche Waisenhaus-Ausbau.


1887 – 88 wurde die Waisenhauskapelle durch Stiftung von Franziska Puricelli errichtet und 1891 zu Ehren der „Unbefleckten  Empfängnis Mariens“ konsekriert. Der Flügelbau des Altersheims war Krankenhaus und ist mit Ankerzahlen 1887 datiert.


Trotz der langjährigen  Bauzeit liegt der Anlage ein einheitliches Gesamtkonzept von dem Kölner Architekten Heinrich Wiethase zugrunde.

 

Baubeschreibung:
Geschlossene Baugruppe aus zwei rechtwinklig zueinander stehenden Flügeln.


Der Nordflügel, anstoßend an das Haupthoftor, umfasst das zweigeschossige Waisenhaus, der Ostflügel, mit dem Waisenhaus durch einen jüngeren Torbau verbunden, die Kapelle und das zweigeschossige Krankenhaus.


Unverputzte Soonwacke, einheitliche neo-gotische Formen von solider handwerklicher Qualität. Die stattliche neugotische Kapelle ist eine Säulenhalle von großartig ausgewogener Raumwirkung. Im Mittelschiff – Kreuzrippen-Gewölbe.


Die sehr schmalen Seitenschiffe mit quer gestellten Tonnengewölben wirken eher wie Abseiten. Eingezogener, kreuzrippen-gewölbter Chor. An seiner Südseite befindet sich die Stifterloge, an seiner Nordseite die Sakristei.
 

Ausstattung:
Die Kapelle hat ihre einheitliche Ausmalung und ihre qualitätvolle Ausstattung der Erbauungszeit vollständig erhalten. Sie ist dadurch ein wertvolles Zeugnis gepflegten Kunsthandwerks des späten 19. Jahrhunderts und zugleich ein in dieser Gegend seltenes und frühes Beispiel industriellen Mäzenatentums.

Die Ausmalung ist überwiegend dekorativ gehalten und erstreckt sich auf die Sockelzone im Langhaus mit gemalten Kreuzwegstationen, und im Chor, auf die Umrahmung und Gewände der Chorfenster und auf sämtliche Gewölbekappen.


Die Sockelzone der Langhauspfeiler wurde 1969 verändert.


Die Ausstattung der Kirche umfasst: Die gesamte Fensterverglasung, darunter im Chor zwei figürliche Fenster, links die Kreuzigung, rechts die Auferstehung Christi. Mosaik- fußboden; Marmormensa mit Marmor-Antependium; mehrteiliger, bemalter, geschnitzter Schrein als Hochaltar-Aufsatz; Kanzel aus geschmiedetem Eisenstabwerk, Kommunionbank aus Holz; Betstuhl der Stifterfamilie mit reichem Schnitzwerk; Gestühl; hölzerner Windfang der Westtüre; westliche Holzempore mit geschnitzter Brüstung; Orgel mit acht Registern; Betpult aus Holz; Geschmiedete Kerzenhalter an den Langhauspfeilern.